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Rettung in letzter Sekunde
Und wieder einmal war
ich am Nachdenken. Schien in letzter Zeit meine Lieblingsbeschäftigung zu
sein. Eigentlich war es ja gefährlich, beim Auto fahren so seine Gedanken
schweifen zu lassen. Aber andererseits was sollte mir schon passieren? Ich
fuhr auf einem schnurgeraden Highway und seit einer halben Stunde war mir
noch nicht mal ein Wagen begegnet. Warum also nicht ein wenig über mein
Leben nachdenken...
...Hatte ich eigentlich
das Richtige getan? Ich meine, klar, ich hatte das dringende Gefühl gehabt,
ich bräuchte eine Veränderung. Sollte man nicht auch auf seine Gefühle hören
und ihnen vertrauen? Ok, immer gilt das vielleicht nicht, zum Beispiel in
Sachen Liebe. Aber das steht auf einem anderen Blatt. Und darüber wollte ich
im Moment auch lieber nicht nachdenken.
Aber auch sonst, hatte ich nicht mein ganzes Leben lang immer aus dem Bauch
heraus gehandelt? Und hatte ich nicht immer mit meinen Entscheidungen
richtig gelegen? Außer natürlich in der Liebe. Aber darüber wollte ich doch
gar nicht nachdenken! Hatte ja auch gar keinen Zweck. Ich schien immer
wieder auf dieselben Typen reinzufallen. Also lieber nicht nachdenken,
Single bleiben und das Leben so geniessen, wie es kam.
Ja, und das hatte ich auch gemacht...
...Wie war das noch
gewesen, so vor 8 Monaten, als es mich plötzlich juckte? Eigentlich ist
jucken gar nicht der richtige Ausdruck. Viel mehr war da dieser Drang.
Dieses beengende Gefühl, ich müßte dringend raus. Woher dieses Gefühl kam,
was es ausgelöst hatte, kann ich noch nicht mal mehr genau sagen. Es war
einfach da, und es wurde von Tag zu Tag stärker.
Ich arbeitete zu der Zeit als Polizistin im Innendienst. Ein nicht allzu
anspruchsvoller Job mit netten Kollegen und einem Gehalt, das gerade zum
Überleben reichte. Keine großen Sprünge. Deshalb hatte ich mir auch ein
zweites Standbein aufgebaut. Ich arbeitete nebenbei als Übersetzerin,
freiberuflich natürlich, für verschiedene Agenturen im Internet. Und da
konnte man sich, wenn man gut war, einiges dazu verdienen. Das machte auch
Spaß. Jeder neue Auftrag war eine Herausforderung, die gemeistert werden
wollte. Und nach einer Weile hatte ich mich recht gut etabliert...
...Jetzt muß ich doch
auf die Liebe zurückkommen. Aber nur kurz, ist zu deprimierend, zu lange
darüber zu brüten...
...Ich hatte gedacht,
es wäre die große Liebe. Es war einfach alles perfekt. Er war liebevoll,
zuvorkommend, rücksichtsvoll, einfach das, was ich so von einem Mann
erwarten würde. Er lag genau auf meiner Wellenlänge, wir hatten dieselben
Interessen, konnten gemeinsam lachen und weinen, ernsthaft diskutieren oder
einfach nur irgendwelchen Blödsinn aushecken. Kein Wunder, daß ich dachte,
ich hätte meinen Traummann gefunden. Doch je länger wir zusammen waren, um
so mehr entpuppte sich dieser Traummann als Alptraummann.
Den Höhepunkt dieser Schreckensbeziehung bildete seine Affäre mit gleich
zwei seiner Angestellten, von der ich natürlich nichts mitbekommen hätte,
wenn nicht eine dieser „Damen“ selber Wind bekommen hätte und beschloß, mir
die ganze Geschichte zu beichten.
Da begann, mein leben zu rotieren, meine Gefühle bekamen einen riesengroßen
Dämpfer, und ich fühlte mich hundeelend. Natürlich wirkte sich dieses große
Unglück auch auf mein Berufsleben aus. Irgendwann nahm mein Chef mich
beiseite und riet mir, mich ganz schnell zu fangen, denn so wäre ich für das
Dienstgeschehen nicht mehr tragbar. Dadurch wurde meine Stimmung auch nicht
gerade besser!
Und als ich schon dachte, es gäbe kein Ende in dieser Leidensgeschichte
mehr, da kam von einem meiner Internetkunden ein verlockendes Angebot. Eine
Festanstellung in seinem Büro in L.A. als Geschäftsführerin, mit einem
Gehalt, was selbst meine kühnsten Träume überstieg...
...Und da stand ich
nun. Eine gescheiterte Beziehung, die leider nicht die einzige in meinem
Leben war. Ein Job, der mir eigentlich keinen Spaß mehr machte und der zudem
noch nicht gerade toll bezahlt wurde. Ich fühlte mich irgendwie als der
totale Looser. Und dann kam jemand und machte mir dieses Angebot!
OK, ich mußte dazu in die Staaten ziehen. Aber was hielt mich hier noch?
Drüben konnte ich einen Neuanfang machen. Und dieser Toplohn würde es mir
auch nicht gerade schwer machen. Na ja, und das Thema Beziehungen konnte ich
erstmal gut auf Eis legen. Wer weiß, vielleicht waren die Männer in L.A.
auch ganz anders...
... Dann kam ich in L.A.
an. Mein neuer Chef hatte sich erlaubt, mir ein kleines Appartement zu
mieten, damit ich erstmal eine Bleibe hatte. Es stellte sich heraus, daß es
wirklich wunderschön und zudem noch erschwinglich war. Die Lage war auch
ansprechend. Zwar mußte ich zur Arbeit eine Stunde Autofahrt in Kauf nehmen,
denn die Wohnung lag außerhalb von L.A., aber das war mir egal. Das schien
ein vernünftiger Start zu sein...
...Und so fing mein
neues Leben an. Und bis jetzt hatte auch alles so geklappt, wie ich es mir
vorgestellt hatte...
...Wurde mal wieder
Zeit, auf die Straße zu schauen. Mußte jetzt nämlich vom Highway runter.
Noch 20 Minuten und ich war zu Hause. Ein wunderschöner Vorort von L.A.
Mitten im Grünen.
Aber ich sollte wirklich aufhören nachzudenken, denn diese kurvenreiche
Straße erforderte doch meine ganze Aufmerksamkeit.
Eigentlich war ich ja ganz froh, diesen Schritt gemacht zu haben. Ich war
ganz glücklich. Ich meine, OK ich wohnte hier erst seit kurzer Zeit, und ich
hatte mich bei weitem noch nicht eingelebt. Aber einen Anfang hatte ich
gemacht, und bislang bereute ich meinen Schritt noch nicht.
Auf einmal wurde ich
jäh aus meinen Gedanken gerissen. Der Wagen vor mir kam plötzlich ins
Schleudern. Was war dort passiert? Und dann kam auf einmal ein Geländewagen
an mir vorbeigerauscht. Er fuhr mit einem Affenzahn, als ob er auf der
Flucht wäre. Und dann ging alles ganz schnell. Der Wagen vor mir kam von der
Straße ab. Ich dachte nur noch, mein Gott, da ist doch der Wald. Wenn das
Auto gegen einen der Bäume prallt, dann bleibt da nicht mehr viel übrig. Ich
fuhr instinktiv langsamer, um zu sehen was weiter passierte. Vielleicht
konnte ich ja irgendwie helfen.
Und dann erwischte das Fahrzeug doch einen Baum. Ich hielt an, um
nachzusehen, ob dem Fahrer etwas passiert war. Eigentlich war ich nicht so
der Typ, der das gut kann. Aber man mußte doch helfen. Ich hätte nicht mit
dem Gedanken leben können, einfach vorbei zu fahren und hinterher
festzustellen, der Fahrer hatte es nicht überlebt.
Bei näherem Hinsehen,
schien es ganz schön übel auszusehen. Hoffentlich war der Fahrer nicht allzu
schwer verletzt. Die Fahrertür ging relativ leicht auf, trotz daß der Wagen
ziemlich stark beschädigt war. Ich sah nach dem Fahrer, als ich bemerkte,
wie das Auto auf einmal Feuer fing. Ich und Feuer! Ich bemerkte einen Anflug
von Panik und dachte nur, bloß die Ruhe bewahren. Was nützte es, wenn ich
aus lauter Panik mich auch noch in Gefahr bringen würde?
Der Fahrer war nicht ansprechbar. Überall war nur Blut zu sehen. Es mußte
ihn ganz schön schlimm erwischt haben. Wenn doch nur mein Erste-Hilfe-Kurs
nicht so lange zurückgelegen hätte. Aber irgendwie schaffte ich es, den Mann
aus dem Fahrzeug zu ziehen. Der Wagen brannte inzwischen lichterloh, es
würde nicht mehr lange dauern, bis der in die Luft ging. Ich versuchte also,
so schnell wie möglich, den Fahrer und mich in Sicherheit zu bringen.
Und dann, als wir gerade an der Straße angekommen waren, explodierte auch
schon der Wagen. Gott sein Dank konnten wir uns in einem kleinen Graben
schützen. Das war in letzter Sekunde!
Erstaunlicherweise war ich total ruhig. Ich hatte mich bislang wohl immer
falsch eingeschätzt. Wenn es wirklich darauf ankam, konnte ich meine Panik
besiegen. Vielleicht sollte ich mir das für die Zukunft merken.
Aber dann kümmerte ich
mich erstmal um den Fahrer. Ich erinnerte mich wieder an die Grundkenntnisse
in der Ersten Hilfe. Puls und Atmung funktionierten. Das war schon mal ein
gutes Zeichen. Aber war der Mann jetzt auch wieder ansprechbar?
Ich kam nicht mehr dazu, das zu überprüfen, denn in dem Moment schlug er
seine Augen auf und ich schaute in die atemberaubendsten grünen Augen, die
ich je gesehen hatte. Und da fiel es mir wieder ein, ich hatte diese Augen
schon gesehen. Sie gehörten Russell Crowe. Meinem Lieblingsschauspieler und
heimlichen Schwarm. Ich hatte sein Gesicht zunächst nicht erkennen können,
weil er ja so voller Blut war und ich gar keine Zeit gehabt hatte, genauer
hinzusehen.
Aber mir wurde klar, daß ich da den Mann in meinen Armen hielt, von dem ich
geglaubt hatte, daß ich ihm nie begegnen würde. Und jetzt hatte ich ihm
sogar das Leben gerettet! Was gab es nicht für seltsame Zufälle!
Vielleicht war es mein
Schicksal gewesen, daß ich nach L.A. gezogen bin, um ihm zu begegnen? Nein,
ich denke, daß ist ein wenig zu weit hergegriffen.
„Was ist passiert?“ Russell schaute mich fragend an. Die Stimme war etwas
wackelig, aber ich erkannte sie sofort. Schließlich hatte ich jeden seiner
Filme schon tausendmal gesehen.
„Du hattest einen Unfall.“ Ich wußte nicht, ob ich ihm auch erzählen sollte,
wie knapp er mit dem Leben davon gekommen war. Lieber nicht. Ich wußte
nicht, wie schwer er verletzt war und wie weit es ihm schaden könnte, würde
er es erfahren.
„Ich habe dich gerade aus dem Auto geholt. Ich werde jetzt den
Rettungsdienst verständigen.“
Russell schaute mich völlig verständnislos an. „Ich kann mich an gar nichts
erinnern. Bitte, was ist passiert?“
„Bitte reg dich nicht auf“, versuchte ich, ihn zu beruhigen. „Du bist mit
deinem Auto von der Straße abgekommen. Du bist verletzt, wie schwer kann ich
nicht sagen. Deshalb solltest du besser liegen bleiben bis die Ambulanz
kommt.“
Ich bekam tatsächlich
sofort eine Verbindung. Der Mann in der Leitstelle versicherte mir, daß ein
Rettungswagen innerhalb weniger Minuten an der Unfallstelle sein würde. Er
fragte mich noch über Russells Zustand und ob ich etwas von Erster Hilfe
verstehen würde. Ich erklärte ihm, daß ich alles Notwendige schon getan
hatte.
Ich konnte es kaum
glauben, wie ruhig ich bleiben konnte in Anbetracht der Tatsache, daß ich
hier meinen Traummann vor mir hatte. Aber was sollte ich auch machen? Sollte
ich etwa versuchen, ihn in seinem Zustand zu küssen oder so? War doch wohl
ein bißchen weit hergeholt. Aber wenn ich Geduld hatte und ihn vielleicht im
Krankenhaus besuchen konnte, wer weiß, ob sich dann nicht etwas entwickelte.
Ach, eigentlich sollte ich mich nicht in die Sache hineinsteigern. Bei
meinem Glück mit Männern würde das bestimmt auch ein Reinfall. Und außerdem
war Russell ja angeblich der Weiberheld von Hollywood schlechthin.
Russell schloß wieder die Augen. Schade, ich liebte diese Augen. Aber es
schien ihm nicht sehr gut zu gehen. Er versuchte, sich ein wenig zu bewegen,
was er aber schnell wieder aufgab.
„Du solltest dich nicht bewegen“, riet ich ihm. „Ich will dich nicht
beunruhigen. Aber in deinem Zustand wäre es besser, du würdest still liegen
bleiben. Du hast eine Kopfwunde. Und sie blutet stark.“
Russell sah mich an, sagte aber nichts. Ich konnte seinem Blick nicht lange
stand halten. Er mußte ja nicht gleich mitbekommen, welche Gefühle er bei
mir auslöste. Dies war nun wirklich der falsche Zeitpunkt.
Aber dann hörte ich auch schon den Rettungswagen.
„Ich glaube, da kommen
sie. Das hat ja Gott sei Dank nicht lange gedauert.“
Ich schaute zurück zu Russell, der mich immer noch ansah.
„Du hast mir das Leben gerettet, stimmt’s?“
Ich zögerte einen Moment, dann antwortete ich ihm.
„Ja.“
„Danke.“
„Du brauchst dich nicht zu bedanken. Das war doch selbstverständlich. Das
hätte jeder getan.“
„Ich weiß nicht. Deswegen bin ich dir dankbar.“
„Das brauchst du aber nicht. Wie gesagt, für mich war das
selbstverständlich.“
Es entstand eine kleine Pause. Der Rettungswagen war inzwischen schon zu
sehen.
„Wie heißt du“, fragte mich Russell.
„Marie.“
„Ich heiße Russell.“
„Ich weiß“, sage ich mit einem zögernden Lächeln. Ich wußte nicht, ob ich
das einfach so sagen sollte. Aber andererseits hätte ich so tun sollen, als
ob ich ihn nicht erkannt hatte?
„Das hat man dir aber nicht angemerkt“, erwiderte Russell.
„Das gehörte in dieser Situation auch nicht hier hin. Es war in diesem
Moment völlig unerheblich für mich. Denkst du etwa, ich hätte dich nicht
gerettet, wenn du nicht berühmt wärst?“
Jetzt hatte er mich doch etwas in meiner Eitelkeit gekränkt.
Aber er kam nicht mehr dazu, mir darauf zu antworten. Der Rettungswagen war
eingetroffen, die Sanitäter kamen auf uns zu.
Ich stand auf, damit
ich nicht im Weg war. Aber ich beobachtete Russell genau. Er sah mich noch
mal kurz an, aber dann stellten ihm die Sanitäter ein paar Fragen und er
wandte seinen Blick ab.
Russell wurde nur kurz untersucht, dann schoben die Sanitär ihn zum
Rettungswagen. Ich war etwas unschlüssig, was ich jetzt machen sollte.
Natürlich wollte ich Russell wiedersehen. Wenn er jetzt weggefahren wurde,
würde ich ihn wahrscheinlich nicht wiedersehen. Jetzt kam auch noch die
Polizei an, und die wollten mir bestimmt ein paar Fragen stellen.
Ich beschloß, zum Rettungswagen zu gehen und zu fragen, in welches
Krankenhaus er gebracht wurde.
„Sind sie eine Angehörige“, fragte mich einer der Sanitäter.
„Nein“, antwortete ich ihm. „Aber ich habe dem Mann das Leben gerettet. Es
würde mich schon interessieren, wie es ihm geht.“
„Ok. Das ist etwas anderes. Wir fahren ihn ins Hope. Kennen sie das?“
„Ja, das kenne ich. Ich wohne in der Nähe. Danke.“
Die Sanitäter hatten gerade die Trage in den Krankenwagen geschoben und
wollten die Tür schließen als Russell mich sieht.
„Wirst du mich besuchen“, fragte er mich.
Da brauchte ich nun wirklich nicht zu überlegen. „Wenn du das möchtest,
besuche ich dich gerne“, antwortete ich ihm.
„Ich würde mich sehr freuen.“
Dann ging die Tür zu und ich stellte fest, daß ich das erste Mal, seit der
Unfall passiert war, wieder richtig atmete.
Natürlich konnte ich
nicht sofort nach Hause fahren. Die Polizisten mußten mich noch zum
Unfallhergang befragen. Viel konnte ich nicht sagen, aber mir fiel wieder
der Geländewagen ein, den ich kurz zuvor gesehen hatte. Leider konnte ich
mich überhaupt nicht an ein Nummernschild erinnern. Es war ja auch alles so
wahnsinnig schnell gegangen. Der Geländewagen, Russells Auto kam ins
Schleudern, er prallte gegen den Baum, ich rettete ihn, der Wagen
explodierte. Ich mußte selber erstmal meine Gedanken wieder sortieren.
Ich sagte den Beamten alles, was ich wußte. Und dann waren sie auch schon
fertig und ich durfte endlich nach Hause fahren.
Ich beschloß, mich
zunächst zu Hause frisch zu machen und dann erst ins Hope zu fahren. Russell
würde sowieso erst untersucht. Bis er auf ein Zimmer verlegt wurde, dauerte
bestimmt. Ich hatte sogar noch genug Zeit, in Ruhe etwas zu essen.
Wo ich jetzt so daran dachte, merkte ich auf einmal, wie mein Magen knurrte.
Ich das alles wohl in der Aufregung vergessen haben.
Schließlich machte ich mich aber doch auf den Weg ins Krankenhaus.
Ich ging zu Fuß, um meine Gedanken ein wenig zu ordnen. Ich war schon wieder
total aufgeregt. Immerhin war Russell mein Traummann. Und jetzt sollte ich
einfach so in das Krankenhaus gehen und ihn besuchen. So als ob es das
Normalste auf der Welt war.
Aber ich durfte mich nicht so verrückt machen. Ich war schon wieder dabei,
mich in eine Sache hinein zu steigern. Klar wollte Russell mich wiedersehen.
Schließlich hatte ich ihm das Leben gerettet. Aber das war auch alles. Und
das mußte ich mir immer wieder vor Augen führen. Denn sonst wäre ich wieder
ziemlich enttäuscht, wenn sich nichts ergeben würde. Und das war sehr
wahrscheinlich.
Im Krankenhaus
angekommen ging ich erstmal zur Aufnahme. Gott sei Dank war nicht allzu viel
los.
„Guten Abend“, begrüßte ich eine junge Frau, die sich gerade mit
irgendwelchen Akten zu beschäftigen schien.
„Ich möchte gerne Russell Crowe besuchen.“
Die junge Frau blickte auf und sah mich mit großen Augen an.
„Wen möchten sie bitte besuchen? Ich glaube, ich habe mich da verhört,
oder?“
Sie schien mir nicht glauben zu wollen, nach wem ich da gefragt hatte.
„Russell Crowe. Er hatte heute nachmittag einen schweren Verkehrsunfall und
wurde hier eingeliefert.“
Eifrig blätterte sie nun in ihren Unterlagen. Es war kaum zu übersehen, daß
sie rot wurde. Auch ein heimlicher Fan. Na das konnte ja heiter werden!
„Sie haben recht. Der ist hier eingeliefert worden.“ Jetzt wurde sie auf
einmal wieder sehr ernst. Es war nichts mehr von der jugendlichen
Schwärmerei von eben zu sehen.
„Sind sie eine Verwandte? Sonst darf ich sie nämlich nicht zu ihm lassen.“
„Nein“, antwortete ich ihr. So etwas hätte ich mir ja denken können. Klar
würden sie mich nicht so einfach zu ihm durchlassen. Aber vielleicht klappte
es ja mit der Wahrheit.
„Ich bin nicht mit ihm verwandt. Aber ich war diejenige, die ihn gefunden
und aus dem Fahrzeug gezogen hat. Ich möchte nur wissen, wie es ihm geht.
Außerdem hatte er mich darum gebeten, ihn zu besuchen.“
Jetzt schaute die junge Frau wieder sehr verwirrt aus. Anscheinend wußte sie
nichts mit meiner Aussage anzufangen. Sie schien hin und her gerissen, ob
sie mich nun zu ihm durchlassen durfte oder nicht.
Ich dachte, ich sollte ihr bei der Entscheidung etwas behilflich sein.
„Vielleicht sollten sie bei der Polizei anrufen“, riet ich ihr. „Die können
ihnen dann bestätigen, wer ich bin. Und die Jungs vom Krankenwagen können
ihnen bestätigen, daß Herr Crowe mich sehen will.“
Jetzt hatte ich sie überzeugt. Sie sah etwas enttäuscht aus. Wahrscheinlich
hätte sie lieber niemanden zu ihm gelassen. Aber ich hatte einfach die
überzeugenderen Argumente.
„Zweiter Stock, Zimmer 24.“ Sie wandte sich wieder ihren Unterlagen zu und
ich ging mit einem eindeutig stark klopfenden Herzen in den zweiten Stock.
Die Zimmertür stand
offen und ich sah mehrere Ärzte um das Bett herumstehen. Hoffentlich war es
nur eine Visite und nichts ernstes.
Aber die Ärzte verließen nach wenigen Minuten schon wieder das Zimmer.
Russell war jetzt alleine.
Ich mußte noch einmal tief luftholen. Mein Gott, ich hätte nicht gedacht,
daß ich so aufgeregt sein würde. Aber ich mußte mich zusammenreißen. Russell
sollte das nicht mitbekommen. Was würde er wohl sonst noch denken!
Russell war wach und
sah mich an, als ich eintrat. „Hi, schön daß du gekommen bist“, begrüßte er
mich.
„Ich hatte es dir doch versprochen“, antwortete ich ihm. Eigentlich hätte
ich ihm ja auch etwas mitbringen können. Aber was nahm man, wenn man einen
Filmstar im Krankenhaus besuchte?
„Wie geht es dir“, fragte ich ihn. Er sah gar nicht so übel mitgenommen aus,
jetzt wo sein Gesicht nicht mehr über und über mit Blut verschmiert war.
„Es muß wohl schlimmer ausgesehen haben, als es war“, fing er an. „Bis auf
eine Platzwunde am Kopf, ein, zwei gebrochenen Rippen und etlichen
Prellungen, habe ich nichts abbekommen. Ich habe wirklich Glück gehabt.“
Dann machte er eine kurze Pause. „Dank deiner Hilfe. Wenn du mich nicht aus
dem Auto geholt hättest, wäre ich wahrscheinlich nicht mehr hier.“
„Das habe ich dir doch vorhin schon gesagt. Du brauchst dich nicht zu
bedanken. Es war völlig selbstverständlich für mich zu helfen.“
„Trotzdem bin ich dir dankbar. Ich finde, es ist nicht immer
selbstverständlich. Außerdem ist es schön, von einer so gutaussehenden Frau
gerettet zu werden.“
Dabei strahlte er mich mit seinem umwerfenden Lächeln an, so daß ich ganz
weiche Knie bekam. Verlegen sah ich zur Seite. Ich nahm einen Stuhl und
setzte mich an die Seite seines Bettes. Nachdem ich mich wieder einigermaßen
gefangen hatte, schaute ich ihn an.
„Jetzt erzähle mir doch etwas von dir“, sagte er zu mir. „Du weißt
garantiert mehr von mir als ich von dir.“
„Da hast du wahrscheinlich recht“, entgegnete ich ihm. „Wo soll ich
anfangen?“
Ja, wo sollte ich anfangen? Meine ganzen Probleme, die ich früher hatte,
mußte ich ihm nun wirklich nicht gleich unter die Nase reiben.
„Ich komme ursprünglich aus Deutschland“, erzählte ich ihm schließlich. „Ich
bin vor ca. 6 Monaten hier nach L.A. gekommen und arbeite als Übersetzerin.
Ich bin single und sonst gibt es eigentlich nicht viel berichtenswertes über
mich.“
„Du kommst aus Deutschland! Wieso dann ausgerechnet hier in L.A. arbeiten?“
„Ach, das hat verschiedene Gründe. Darüber möchte ich aber gar nicht so
gerne reden. Ich hoffe, das macht dir nichts aus.“
Er sah mich jetzt zwar etwas fragend an, aber er wollte nichts weiter
wissen.
Nach einer Weile merkte
ich, daß Russell müde wurde. Zwar wäre ich am liebsten noch länger
geblieben, aber ich dachte, ich sollte vielleicht besser gehen. Ich wollte
ja auch nicht aufdringlich wirken.
Jetzt stellte sich mir nur die Frage, ob es das gewesen sein sollte. Er
würde mich doch bestimmt nicht fragen, ob wir uns wiedersehen würden. Gut,
ich hatte ihm das Leben gerettet. Aber das mußte ja noch lange nicht
bedeuten, daß er etwas von mir wollte. Und wenn es nur eine Freundschaft
wäre!
Es wäre zwar schade, aber ändern könnte ich es auch nicht. Denn ich würde
garantiert nicht darum betteln.
„Ich glaube, ich werde
jetzt mal gehen. Du siehst ziemlich müde aus.“
„Ja, ich fühle mich ein wenig müde“, erwiderte Russell. „Aber ich genieße
es, daß du hier bist. Zum Glück weiß noch keiner, was passiert ist. Ich habe
auch noch nicht vor, meinen Manager anzurufen. Dann steht das Telefon
überhaupt nicht mehr still. Deswegen ist es schön, mal mit jemandem zu
reden, der normal ist.“
Darüber mußte ich spontan lachen. „Das hört sich vielleicht an!“
„Ja, aber du weißt, wie ich das meine.“
„Natürlich. Ich kann dich verstehen. Einmal eine Pause von dem Rummel tut
bestimmt gut. Und wenn du dich noch nicht wieder fit fühlst, kann ich es mir
schon vorstellen, daß du das ganze noch nicht wieder um dich herum haben
willst.“
Wieder lächelte Russell mich an, und wieder konnte ich ihm nicht in die
Augen sehen. Wenn er so weiter machte, würde ich noch ganz verlegen.
„Ich denke aber doch, daß du jetzt deine Ruhe brauchst“, sagte ich schweren
Herzens zu ihm. „Es ist schon spät. Und ich muß morgen auch früh raus. Ich
muß zu einem Geschäftstermin in Frisco.“
„Schade“, antwortete Russell. Er machte eine kleine Pause, und ich war schon
im Begriff zu gehen, als er weitersprach.
„Gibt es eine Chance, daß wir uns wiedersehen?“
Das kam für mich völlig unerwartet. Ich holte tief Luft, um mich wieder
etwas zu fassen. Dann drehte ich mich zu ihm um.
„Wenn du das möchtest. Ich würde mich sehr freuen.“
„Die Ärzte haben gesagt, daß ich nur noch morgen zur Beobachtung hierbleiben
muß. Wenn alles gut geht, kann ich übermorgen nach Hause. Vielleicht könnten
wir uns dann sehen?“
„Ja klar. Wie wäre es, wenn ich dich abhole? Bei mir sind sowieso noch ein
paar Tage Urlaub überfällig.“
Das war zwar jetzt etwas gewagt. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Nur
so konnte ich feststellen, was dahinter steckte.
„Das hört sich gut an“, erwiderte Russell. Und ich konnte insgeheim
aufatmen.
„Ich rufe dich an, wenn die mich hier weglassen.“
Ich wünschte ihm noch eine Gute Nacht, dann verließ ich das Zimmer. Und zum
ersten Mal seit einer langen Zeit hatte ich wieder das Gefühl, etwas richtig
gemacht zu haben. L.A. schien für mich unter einem guten Stern zu stehen.
Ich stürzte mich in
meine Arbeit, nur damit ich irgendwie die Zeit herumbekam. Ich wartete
ungeduldig auf den Tag, daß Russell entlassen würde und er mich endlich
anrief. Er mußte leider doch noch einen Tag länger im Krankenhaus bleiben.
Das passte mir auch ganz gut, weil wir kurzfristig einen Großauftrag
reinbekommen hatten und ich die ganzen Übersetzer koordinieren mußte.
Außerdem konnte ich die einzelnen Dokumente nicht einfach so herausgeben,
ohne sie nicht grob gesichtet zu haben. Ich mußte mir sogar Arbeit mit nach
Hause nehmen.
Aber alles lief zur Zeit nach Plan, so daß ich genau dann mit der
Aufgabenverteilung fertig war, als Russell entlassen wurde. Ich sagte meinen
Mitarbeitern, daß ich ein paar Tage freinehmen würde und daß ich nur in
dringenden Fällen gestört werden wollte.
Irgendwie war es schon
ein komisches Gefühl, zum Krankenhaus zu fahren, um Russell Crowe abzuholen.
Wie viele Frauen würden mich jetzt darum beneiden! Wie die Kleine von der
Aufnahme. Wenn sie heute Dienst hatte, und wenn sie sähe, daß ich mit ihm
das Krankenhaus verließ, sie würde bestimmt grün vor Neid.
Ich war mir auch gar nicht so sicher, was ich von der ganzen Sache halten
sollte. Er hatte mich gefragt, ob wir uns wiedersehen könnten. Inwiefern
hatte er das jetzt gemeint? Nur freundschaftlich, weil ich ihm das Leben
gerettet hatte. Oder steckte vielleicht doch noch ein wenig mehr dahinter?
Insgeheim wünschte ich mir natürlich, daß er tatsächlich mehr von mir
wollte. Aber andererseits wäre es wirklich so toll mit Russell Crowe
zusammen zu sein? Immerhin hörte man sehr viel über ihn. Daß er die Frauen
nur so verschlingen würde. Und wenn man der Presse glauben konnte, hatte er
ja kürzlich erst was mit zwei Schauspielerinnen gehabt. Aber konnte man der
Presse auch immer so uneingeschränkt glauben?
Vielleicht sollte ich das Ganze wirklich einfach auf mich zukommen lassen.
Jetzt war ich auch schon beim Krankenhaus. Zeit also, mit dem Nachdenken
aufzuhören.
„Hallo, wie geht es
dir“, begrüßte ich Russell. Er hatte ein Pflaster am Kopf, aber sonst sah er
schon wieder ganz gut aus.
„Ganz gut“, antwortete er. „Ich bin froh, daß ich endlich hier raus kann.
Inzwischen weiß wohl das ganze Krankenhaus, daß ich hier bin. Und natürlich
kommt jeder an und will ein Autogramm haben. Bei so vielen Leuten wird das
richtig nervig.“
„Ach ja“, sagte ich verschmitzt. „Das wollte ich dich ja auch noch fragen.
Hast du vielleicht ein Autogramm für mich?“
Russell drehte sich um. „Nicht du auch noch. Wehe...“ Dann stürzte er sich
auf mich.
Aber ich war schneller und lief um das Bett herum. Aber leider hatte ich
nicht dabei bedacht, daß es eine Sackgasse war. Russell hatte mich eingeholt
und stand nun lachend vor mir.
Er war ein wenig außer Atem. Dann sah er mir direkt in die Augen und dieses
Mal wich ich nicht seinem Blick aus. Komisch, ich fühlte mich gar nicht so
verlegen wie sonst.
Wir standen ganz nahe voreinander und sahen uns in die Augen. Ich versuchte
in Russells Augen zu lesen, was er dachte. Aber ich konnte nicht erkennen,
welche Gefühle er in diesem Moment für mich hatte.
Aber das brauchte ich jetzt auch nicht mehr versuchen zu erraten. Denn sein
Gesicht kam immer näher. Mein Herz schlug wie wild. Irgendwie hatte ich das
Gefühl, ich müßte hier ganz schnell weg. Aber wie sollte ich, wo Russell vor
mir stand und im Begriff war, mich zu küssen.
Alle lief wie in Zeitlupe ab, nur meine Gedanken kreisten wie wild. Russell
Crowe stand vor mir und wollte mich küssen. Ich konnte es kaum glauben. Ich
kam mir vor wie in einem Traum.
Seine Lippen berührten leicht die meinen und...
„Ich habe hier ihre
Papiere.“
Verlegen machte ich mich von Russell los und schaute zur Tür. Dort stand
eine Krankenschwester und hielt eine Akte in der Hand.
„Oh Entschuldigung“, sagte sie jetzt und war im Begriff, wieder zu gehen.
„Nein, bleiben sie hier.“ Russell tat so, als ob nichts geschehen war. Mir
war es aber etwas peinlich.
Die Schwester übergab ihm die Entlassungspapiere und sagte ihm noch, wann er
sich bei seinem Arzt zur Nachuntersuchung melden sollte.
Russell nahm die Papiere entgegen, bedankte sich bei der Schwester und
verabschiedete sich.
„So, wie können gehen“, sagte er zu mir, nahm seine Tasche und verließ das
Zimmer. Von der Nähe von eben war jetzt nichts mehr zu spüren. Hatte ich mir
das alles etwa nur eingebildet? Aber er wollte mich tatsächlich küssen.
Dessen war ich mir ziemlich sicher.
Schweigend gingen wir
zum Auto. Ich konnte ihn doch jetzt auch nicht darauf ansprechen. Ich würde
mir dabei ziemlich blöd vorkommen. Doch ich brauchte mir gar keine Gedanken
zu machen, denn sobald wir im Wagen saßen, schnitt Russell das Thema von
selbst an.
„Ich hoffe, ich habe dich da eben nicht überrumpelt!“ Er schien selber nicht
genau zu wissen, wie er mit mir darüber reden sollte. Das hätte ich nicht
gedacht. So wie man ihn über die Medien kennengelernt hatte, hatte man ein
völlig anderes Bild von ihm bekommen. Dort kam er mir eher wie ein Macho
vor.
„Nein...das war...das war ganz ok.“ Was sagte ich da bloß? Das war ganz ok.
Wie sich das anhörte!
„Ich weiß nicht, was ich jetzt sagen soll.“
Ich war total verwirrt, und ich glaubte, daß Russell das auch merkte.
„Fahr noch nicht los“, sagte er zu mir.
Ich drehte mich zu ihm um und sah ihn an.
„Ich wollte dich mit dem Kuß nicht überfallen. Nur in diesem Moment hatte
ich das dringende Bedürfnis, dich zu küssen.“ Er machte eine kurze Pause.
Ich war viel zu verwirrt, um ihm sofort antworten zu können. Dann sprach er
weiter.
„Ich weiß, wir kennen uns erst kurze Zeit. Und du wirst vielleicht sagen,
daß meine Gefühle daher kommen, weil du mir das Leben gerettet hast. Aber
ich mag dich wirklich sehr gerne. Und aus diesem Grund möchte ich dich auch
gerne etwas näher kennenlernen. Vorausgesetzt natürlich, daß du das auch
möchtest.“
„Das ist in der Tat sehr überraschend für mich. Aber ich denke nicht, daß
dein Gefühl nur aus lauter Dankbarkeit entstanden ist. Ich meine, klar
möchte ich dich auch gerne etwas besser kennenlernen. Wenn ich ganz ehrlich
bin, war das schon immer mein Traum.“
Jetzt war der Moment der Wahrheit. Ich mußte ihm das gestehen, daß ich jeden
seiner Filme kannte. Aber ich brauchte ihm ja noch nicht zu sagen, daß er so
etwas wie ein Traummann für mich war.
Ich hatte mich jetzt
ein wenig beruhigt und war in der Lage weiter zu fahren. Russell hatte ein
Appartement direkt in L.A.
"Ich hätte gedacht, du hättest eine Villa in Beverly Hills", sagte ich zu
ihm.
"Das wäre viel zu groß", antwortete er mir. "Ich versuche auch eigentlich
immer zurück zu meiner Farm in Australien zu fliegen. Da fühle ich mich viel
wohler, als hier in der Stadt."
"Ich glaube, das habe ich mal irgendwo gelesen. Aber ist es nicht stressig,
so viel hin und her zu fliegen?"
"Ich glaube, man gewöhnt sich daran. Und wenn man so sehr an seiner Heimat
hängt wie ich, dann nimmt man das auch in Kauf. Weißt du, ich nehme dich mal
mit auf meine Farm, dann wirst du verstehen, was ich meine. Es ist dort ein
völlig anderes Leben. Viel ruhiger und ausgeglichener. Und die Leute sind
auch ganz anders. Nicht nur meine Familie. Ich meine das allgemein. In
Australien sind die Leute viel lockerer und freundlicher."
"Das hört sich gut an. Ich fand es hier eigentlich schon viel angenehmer als
in Deutschland. Hier gefällt es mir viel besser. Aber vielleicht sollte ich
mir Australien und deine Farm erstmal anschauen."
Es war schön, sich mit
Russell zu unterhalten. Als ich ihn nur aus den Zeitungsberichten her
kannte, hatte ich mir immer vorgestellt, wie es wohl wäre, ihn zu treffen.
Und wie er denn so wäre. Aber in meiner Fantasie waren unsere Treffen immer
etwas steif. Vielleicht lag es daran, weil ich dachte, daß Filmstars immer
etwas abgehoben und steif wären.
Aber sich jetzt mit ihm zu unterhalten war ganz anders. Er war total locker.
Ich hatte gar nicht das Gefühl, mit einem Filmstar zu reden. Er kam mir eher
wie der ganz normale Mann von nebenan vor. Und natürlich war ich ganz stolz.
Ich hatte es geschafft, Russell kennenzulernen. Und was noch viel besser
war, er hatte mir seine Gefühle für mich gestanden. Zwar diese Beziehung
noch in der Entstehung, aber irgendwie hatte ich ein sehr gutes Gefühl
dabei. Wir mußten uns nur Zeit lassen und uns richtig kennenlernen.
Vielleicht würde diese Beziehung dann eine Zukunft haben.
Dann waren wir an
seinem Appartementblock angekommen. Es lag mitten in der City in einer
parkähnlichen Anlage. Und es roch nach viel Geld. Eben eine Wohnung, die
sich nur ein Filmstar leisten konnte.
"Sieht schön aus", sagte ich zu Russell, während wir durch den Park zum
Eingang des Gebäudes gingen. "Ist garantiert aber auch ziemlich teuer,
oder?"
"Es geht eigentlich", antwortete er. "Ich würde sagen, angemessen."
"Für dich vielleicht", entgegnete ich. "Du brauchst dir ja auch keine
Gedanken um das Geld machen. Ich glaube, daß ich mir das hier nicht leisten
könnte."
Russell grinste mich nur an.
Im Eingangsbereich gab
es einen Portier. Genau wie man es auch in den Hollywoodfilmen sah.
"Hallo Walter", begrüßte Russell den Mann. "Darf ich dir Marie vorstellen?
Sie ist sozusagen die Heldin des Tages!"
"Nun übertreib mal nicht", sagte ich zu Russell und merkte, wie ich langsam
rot wurde.
"Hallo Marie." Walter gab mir die Hand. Dann drehte er sich zu Russell.
"Warum denn Heldin des Tages?"
"Ich hatte doch vor drei Tagen einen Unfall mit meinem Wagen. Wenn Marie
nicht gewesen wäre, würde ich jetzt nicht vor dir stehen."
Ich konnte ein wenig Stolz in Russells Stimme heraushören. Jetzt nahm er
mich liebevoll in den Arm. Es sah wirklich so aus, als ob seine Gefühle für
mich ernsthafter Natur waren. Das freute mich natürlich.
"Ich habe davon in der Zeitung gelesen. Ich konnte es kaum glauben." Walter
war immer noch sichtlich geschockt. "Aber allzu schlimm ist es doch nicht,
oder?"
"Nein, nein", beruhigte Russell ihn. "Sonst hätten die mich nicht so schnell
entlassen. Nur ein paar gebrochene Rippen und einige Prellungen. Ich hatte
ja meinen Schutzengel!"
Dabei sah Russell mich an. Und das erste Mal konnte ich in seinen Augen
lesen. Ich wußte nicht, ob ich es schon als Liebe interpretieren konnte.
Aber zumindest schienen seine Gefühle für mich nicht gerade gering zu sein.
Sanft drückte er mich an sich. Mich durchfuhren wohlige Schauer. Schon lange
nicht mehr hatte ich so etwas für einen Mann empfunden. Ich war überrascht,
daß es mich nicht irritierte und daß ich nicht sofort Zweifel bekam. Sollte
das hier jetzt die wahre Beziehung für mich werden?
"Na, dann bin ich ja
beruhigt", sagte Walter. "Ich wünsche euch einen schönen Abend." Dabei
zwinkerte er mir zu. Er hatte uns beide schon durchschaut.
Russell hatte eine wunderschöne Wohnung. Sehr geräumig. Für meine
Verhältnisse nur etwas spärlich eingerichtet. Aber auf der anderen Seite,
wenn er sagte, daß er seine Zeit lieber in Australien verbrachte, dann war
dieses natürlich genug. Aber man konnte genau erkennen, daß es eine
Junggesellenwohnung war.
"Sieh dich ruhig um,
wenn du möchtest", sagte Russell zu mir. "Ich werde mal eben den
Anrufbeantworter abhören. Sind ziemlich viele Nachrichten drauf. Und dann
muß ich noch ein paar Anrufe tätigen."
"Ist schon ok. Willst du was essen? Ich könnte uns was kochen."
"Gute Idee. Aber ich glaube, der Kühlschrank gibt nicht viel her."
"Ich werde mal nachsehen. Ansonsten ist doch ein Supermarkt einen Block
zurück. Da kann ich ja zur Not noch etwas bekommen."
Russell kümmerte sich jetzt um seine Anrufe und ich ging in die Küche.
Ein Traum von einer
Küche. Alles in Chrom mit Teakholz abgesetzt. Riesengroß! So eine Küche
hätte ich auch gerne. Aber das könnte ich mir nie im Leben leisten.
Zumindest hatte ich jetzt die Gelegenheit sie auszuprobieren.
Tatsächlich fand ich etwas Brauchbares im Kühlschrank. Ich zauberte uns eine
überbackene Putenbrust mit verschiedenen Gemüsesorten. Ich konnte auch eine
Flasche Weißwein finden, die exakt dazu paßte.
Russell war inzwischen auch mit seinen Telefonaten fertig.
"Das meiste waren irgendwelche Leute, die ich vom Filmen kenne, die sich
besorgt nach mir erkundigen wollten", sagte er sichtlich genervt. "Und
natürlich mein Manager, der genau wissen will, wie sehr es mich erwischt hat
und wann ich endlich wieder mit dem Drehen anfangen kann. Manchmal hasse ich
meinen Job. Wenn es einem nicht gut geht und man krank ist, kann man es sich
eigentlich nicht leisten. Und man kann es nicht geniessen, weil jeder genau
wissen will, wann man wieder auf der Matte steht."
"Soll ich dich jetzt ein wenig bemitleiden", fragte ich ihn mit einem
verschmitzten Grinsen.
"Ach, fang du nicht auch noch an." Russells Ärger war aber nur gespielt. Er
hatte schon verstanden, daß ich nur Spaß gemacht hatte.
Nach dem Essen nahmen
wir die Flasche Wein und machten es uns vor dem Kamin gemütlich.
"Erzähl mir doch mehr von deiner Farm und deiner Familie", bat ich ihn. Ich
wollte einfach alles von ihm wissen.
"Was soll ich dir erzählen. Meine Farm liegt außerhalb von Sydney mitten im
Busch. Ist ganz toll, denn das hält doch viele Fans davon ab, mich zu
besuchen. Weißt du, da gibt es nämlich ziemlich viele Schlangen." Dabei
mußte Russell lachen. "Aber leider hält es nicht alle ab. Es gibt noch
ziemlich viele Hartnäckige, die ständig um das Gelände herumschleichen."
"Das muß doch total nerven", fragte ich ihn. Ich jedenfalls könnte mich
nicht daran gewöhnen.
"Ach, mit der Zeit bemerkt man die gar nicht mehr. Nur, wenn es tatsächlich
mal wieder einer schafft, auf das Gelände zu kommen. Aber da sind dann ja
die Hunde. Und die haben bislang jeden unerwünschten Gast vertrieben.
Und so saßen wir
stundenlang vorm Feuer und Russell erzählte mir aus seinem Leben. Ich erfuhr
unter anderem, daß auf seiner Farm auch seine Eltern lebten, und sein Bruder
Terry.
"Hört sich wirklich toll an," sagte ich zu ihm. "Ich glaube, ich kann jetzt
verstehen, warum du lieber ständig nach Australien fliegst, als hier in L.A.
zu leben."
"Ich werde dich beim nächsten Mal mitnehmen. Dann kannst du dir ein eigenes
Bild machen."
"Das ist eine tolle Idee", sagte ich zu ihm und malte mir schon mal aus, wie
es war mit Russell auf seiner Farm zu leben.
"Erzähl mir doch ein
bißchen mehr von dir", forderte Russell mich jetzt auf. Er kam zu mir rüber
und setzte sich zu mir auf die Sessellehne. "Du hast dich ja im Krankenhaus
sehr kurz gefaßt."
"Ach, das hat verschiedene Gründe", antwortete ich ihm. "Hauptsächlich sind
das sehr persönliche Gründe, über die ich eigentlich nicht so gerne rede."
Aber auf einmal hatte ich das Gefühl, daß ich gerade mit ihm darüber reden
konnte. Daß er jemand war, der es verstehen würde. Russell war so wahnsinnig
verständnisvoll. Ich hätte nie im Leben gedacht, daß er so sein könnte.
Irgendwie hatte er durch die Medien so ein Macho-Image bekommen. Jetzt
konnte ich ihn von einer ganz anderen Seite kennenlernen.
Und so erzählte ich ihm von meinen gescheiterten Beziehungen, und wie diese
mich mehr und mehr heruntergezogen hatten, bis ich schließlich hier nach L.A.
geflüchtet war.
"Das hört sich wirklich
nicht gut an." Dabei nahm mich Russell in den Arm und drückte mich sanft an
sich. Ich fühlte mich so geborgen in seinen Armen. Ich wünschte mir, daß
dieser Moment nie aufhören würde.
Dann sah ich Russell an. "Kannst du jetzt verstehen, warum ich nicht so
gerne darüber spreche?"
Er nickte. Dabei sah er mir ganz tief in die Augen und ich hatte das Gefühl,
gleich dahinzuschmelzen. Langsam näherte sich sein Gesicht, bis unsere
Lippen sich berührten. Weich und warm umschlossen seine Lippen zart die
meinen. Sein Kuß wurde intensiver. In mir wurde eine nie geahnte
Leidenschaft entfacht. Ich hatte das Gefühl zu schweben.
Vorsichtig stand Russell auf und zog mich zu sich hoch. Die Küsse wurden
leidenschaftlicher bis wir unser Verlangen nicht mehr zügeln konnten. Seine
Finger suchten die Knöpfe meiner Bluse, ungeduldig öffnete er jeden
einzelnen. Ein Zittern durchfuhr meinen Körper. Gleichzeitig stellte ich mir
die Frage, ob ich überhaupt dazu bereit war. Aber jetzt streifte er mir die
Bluse von den Armen und küßte sanft meine Schultern. Ich hatte gar keine
Gelegenheit, meine Gedanken noch zu ordnen. Ich wollte nur noch von ihm
berührt und geküßt werden.
Doch auf einmal ließ Russell mich los. Fragend schaute ich ihn an. Doch in
seinen Augen konnte ich nur das gleiche Verlangen sehen, wie ich es empfand.
Jetzt nahm er meine Hand und während er mich wieder küßte, zog er mich
langsam in Richtung Schlafzimmer.
Spätestens jetzt waren mir meine Gedanken egal. Auch ich wollte es und zwar
mit einer solchen Intensität, wie ich es bislang nie gespürt hatte. Auf dem
Weg ins Schlafzimmer zog Russell mich weiter aus, und mit jeder Berührung
durchfuhren wohlige Schauer meinen Körper. Mein Verlangen nach ihm war so
stark, daß ich es nicht mehr erwarten konnte, daß er in mich eindrang und
ich ihm so nahe wie nie sein konnte.
Russell legte mich auf sein Bett und streichelte langsam und sanft meinen
Körper. Mit seinem Mund erkundete er jeden Millimeter meiner Haut. Mein
Zittern wurde zu einem Beben, und ich war mehr als bereit, ihn in mir
aufzunehmen.
Kurz ließ er mich los, um sich auch seine Kleidung abzustreifen. Dann legte
er sich auf mich und gemeinsam strebten wir einem Höhepunkt zu, der kleine
Feuerwerke der Lust in mir auslösten. Ich ließ mich treiben in einem Meer
von Explosionen. Mein Herz schlug laut und stark. Ich wollte ihn nie wieder
loslassen. Ich fühlte mich so glücklich, daß ich anfing zu weinen.
Sofort ließ er mich los
und sah mich besorgt an. "Du weinst ja. Habe ich irgend etwas getan?"
Ich war gerührt. "Nein, es ist alles in Ordnung, Russell. Ich fühle mich nur
so unendlich glücklich wie schon lange nicht mehr. Es sind eher
Freudentränen."
"Dann bin ich beruhigt.
Ich hoffe, daß es für dich mindestens genauso schön war wie für mich. Und
ich hoffe,
daß du es auch wirklich wolltest."
"Natürlich wollte ich es auch. Und es war wunderschön. Du bist so liebevoll
und zärtlich."
Sanft zog ich ihn wieder zu mir herunter und küßte ihn. Dann kuschelte ich
mich an seine Seite.
"Ich mußte dich das fragen", sagte er auf einmal zu mir. "Nach dem, was du
mir alles über deine gescheiterten Beziehungen gesagt hast, war ich mir
nicht so sicher."
"Es ist schön, daß du so besorgt um mich bist. Aber es ist alles in
Ordnung."
In diesem Moment mußte ich daran denken, wie unsere Beziehung wohl
weitergehen würde. Die meisten meiner früheren Beziehungen waren ja auch gut
angefangen, hatten sich später nur als Fiasko entpuppt. Aber ich konnte
Russell nicht fragen, wie es weitergehen sollte. Statt dessen schloß ich
meine Augen und genoß einfach nur seine Nähe.
Als ich am nächsten
Morgen aufwachte, mußte ich mich erstmal kneifen, ob ich das Ganze nicht
geträumt hatte. Aber nichts änderte sich. Ich lag in Russlls Bett und befand
mich in der Wirklichkeit.
Russell war nicht da. Aber ich hörte ihn telefonieren. So früh am Morgen
mußte er schon wieder geschäftliche Sachen erledigen. Er tat mir richtig
leid. Keine Zeit, sich richtig zu erholen.
Ich stand auf. Ich sah eines seiner Hemden über einen Stuhl hängen und
beschloß, es anzuziehen. Dann ging ich zu ihm. Während er noch am
Telefonieren war, nahm er mich in den Arm und gab mir einen Kuß. Dann hielt
er kurz den Hörer zu.
"Ich spreche gerade mit meinem Manager. Es geht um die Dreharbeiten. Ich
kann ihn einfach noch nicht davon überzeugen, daß ich noch ein paar Tage
Pause brauche. Kann noch etwas länger dauern. Tut mir leid."
"Ist ok. Ich mache mal Frühstück." Dann gab er mir noch mal schnell einen
Kuß, bevor er sich wieder seinem Manager zuwandte.
Ich beschloß, mit dem
Frühstück auf Russell zu warten. Statt dessen wollte ich mir erstmal eine
Dusche genehmigen. Russells Badezimmer war, wie auch der Rest der Wohnung,
riesengroß. Er besaß sogar eine Badewanne mit Whirlpool, in der ich sofort
das Wasser einlaufen ließ. Wie lange schon hatte ich nicht mehr in einem
Whirlpool gelegen. Im Badezimmer war auch eine kleine HiFi-Anlage. Ich
stöberte in der CD-Sammlung und entschied mich für eine ältere TOFOG-CD.
Eine, wo ich jeden Song in und auswendig kannte. Ich liebte es nämlich, zu
duschen oder zu baden und dabei mehr schlecht als recht mitzusingen.
Ich lag gerade in der Wanne, Augen geschlossen und sang voller Inbrunst, als
Russell vor mir stand.
"Du könntest glatt bei uns mitsingen", meinte er.
Etwas verlegen schaute ich ihn an. "Das meinst du doch nicht im Ernst",
fragte ich ihn. "Mein Katzengejaule kann doch nie und nimmer mit euch
mithalten. Das reicht nun wirklich gerade nur für die Badewanne."
"Also, ich finde, du hast eine schöne Stimme", entgegnete Russell. "Mit
etwas Übung könnte man etwas daraus machen."
"Wenn du meinst......" Ich ließ den Satz im Raum stehen.
"Hast du denn alles wegen der Dreharbeiten regeln können", sagte ich
stattdessen.
"Gott sei Dank", erwiderte er genervt. "So sehr ich meinen Beruf auch liebe,
manchmal würde ich mir etwas mehr Freiheiten wünschen. Aber ja, ich habe ein
paar Tage frei bekommen. Es war gar nicht so leicht, ihn zu überzeugen. Aber
ich brauche wirklich mal eine Pause. Außerdem möchte ich noch etwas mehr
Zeit mit dir verbringen."
Dabei zwinkerte er mir zu und begann, sich auszuziehen. Dann stieg er zu mir
in die Wanne.
"Was soll ich eigentlich davon halten, daß du einfach so alleine ohne mich
in den Whirlpool gestiegen bist", meinte er schelmisch. Gleichzeitig fing er
an, mir den Badeschaum ins Gesicht zu pusten. Natürlich wehrte ich mich
sofort, aber nur spielerisch.
Nach einer Weile hielt Russell inne und schaute mich an. "Weißt du", sagte
er zu mir", in deiner Gegenwart fühle ich mich so wohl, wie schon lange
nicht mehr. Ich kann einfach ich selber sein, ein ganz normaler Mensch.
Nicht der Filmstar, hinter dem alle her sind."
Ich wußte nicht, was ich dazu sagen sollte. Stattdessen nahm ich ihn einfach
nur in den Arm und drückte ihn ganz fest an mich. Mir war von Anfang an klar
gewesen, sollte ich einmal das große Glück haben, Russell Crowe
kennenzulernen, ich würde gerne wissen, wie er als ganz normaler Mensch ist.
Ich würde ihn nicht bedrängen, sondern ihn ganz sich selber sein lassen.Das
war vielleicht auch der Grund, der uns so nahe gebracht hatte. Jetzt war es
meine Aufgabe, voll und ganz für ihn dazusein. In ihm aufzugehen und alles
so zu akzeptieren, wie es war. Dann hatte ich eine reelle Chance, daß er bei
mir bleiben würde. Dann hätte eine Beziehung zwischen uns beiden eine
Zukunft.
Russell schien meine Gedanken lesen zu können, denn was er jetzt sagte,
entsprach genau dem, was ich nur wenige Sekunden zuvor gedacht hatte.
"Könntest du dir vorstellen, mit mir zu leben", fragte er mich direkt.
Ich konnte nicht sofort antworten, denn obwohl ich mir diese Frage so sehr
gewünscht hatte, hätte ich mir nie vorstellen können, daß Russell sie mir
auch tatsächlich stellen würde.
"Du kannst es dir überlegen. Ich möchte dich zu nichts drängen. Ich habe nur
das Gefühl, daß du jemand bist, der mich so akzeptiert, wie ich bin. Und daß
ich so jemanden brauche. Wie gesagt, ich fühle mich so wahnsinnig wohl. Und
ich möchte nicht, daß es aufhört."
"Ich möchte auch nicht, daß es aufhört", erwiderte ich ihm. "Aber ich will
ganz ehrlich mit dir sein. Ich weiß nicht, ob ich dein Leben, so wie es ist,
teilen kann. Du bist ständig unterwegs, von den ganzen Fotografen und
Reportern, die dich ständig verfolgen, ganz zu schweigen. Aber ich will es
versuchen."
Jetzt war es Russell, der mich an sich drückte. Ich faßte es als eine
Antwort auf. Eine Zustimmung, daß er meine Bedenken verstand.
"Laß es uns langsam angehen", sagte ich jetzt zu ihm. "Laß uns sehen, wie
weit wir kommen. Wenn wir langsam und vorsichtig eine Beziehung aufbauen,
dann kann sie vielleicht auch eine Zukunft haben."
Dann sah Russell mich an. "Und ich verspreche dir, daß ich alles daransetzen
werde, daß diese Beziehung eine Zukunft hat. Nur müssen wir immer ehrlich zu
einander sein. Wir müssen über alles reden können, was uns bedrückt und was
uns vielleicht an dem anderen stört. Sonst leben wir eines Tages nur
aneinander vorbei.
Ich war mal wieder total erstaunt, wie einfühlsam Russell doch war. Der
wahre Russell war so ganz anders, als der, den man im Fernsehen sah oder von
dem man in Zeitungsberichten las. Ich war dabei, mich immer mehr in diesen
Mann zu verlieben. Und ich war immer mehr dazu bereit, mein Leben mit ihm zu
teilen. Egal, ob er nun ständig unterwegs war zu Dreharbeiten oder mit
seiner Band. Und mit den Fotografen würde ich auch noch zurecht kommen.
Brianna |