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Disclaimer: R.Crowe war Rollenmodell für diesen Beitrag zu einem Literaturwettbewerb unter dem Motto: Das Meer Prinzip.
Der’Traum’ –Teil am Strand ist als Metapher gedacht.
Der Text wurde Ende April 2002 abgeschlossen,
Ende März 2003 nochmals geringfügig überarbeitet und so dem veränderten Blickwinkel der Autorin angepasst .
POSEIDON
Autor: Mera Luna
Bereits in eines meiner ersten Gedichte, die von ihm inspiriert sind,
schlich sich das Meer ein.
Kein bestimmtes.
Die Assoziation von changierendem Blaugrün in Bewegung, das auf alle möglichen Ozeane passen kann. Flüchtig darüber huschende goldene Lichter .
'Ungestüm, wie Meeres Wogen - Spiegel seines Blickes '
Mühelos kann ich vor meinem inneren Auge die Vision seiner Züge schaffen-
mit der oft gerunzelten Stirn und dem kritisch prüfenden Blick aus tiefliegenden, von schweren Lidern mit langen Wimpern überhangenen Augen. Deren Farbe kann man sowenig festlegen wie die der See-
ständig in Bewegung, mal hell und freundlich, mal düster und bedrohlich unvorhersehbar.
Dieser Mann könnte keine andre Augenfarbe besitzen.
Blaugrün, türkis, azur, opalisierend.
In der Iris reflektiert sich sein ganzes Wesen, das eine bewegte Mischung aus Widersprüchen scheint.
Spiegelglatt, leicht gekräuselt, sanft wogend bis hin zur Tsunami ,
der alles unter sich begrabenden Sturmwoge.
Gischt, die auf der Brandung reitet ; sich sanft im Sand verlierende Wellen.
Er hat die Aura eines Seemannes, etwas rau, ungekünstelt, oft bärtig ,die Haare meist etwas zerzaust, als ob der Seewind sie ihm durcheinandergebracht hätte.
Und er ist abergläubisch , wie es den Seeleuten nachgesagt wird.
Seine Stimme umfasst alle Facetten von sanftem Plätschern bis zum Brüllen eines Brechers, der gegen die Sturmwälle donnert.
Wie das Meer kommt er nie wirklich zur Ruhe, etwas Bewegung bleibt immer, unsichtbar unter der Oberfläche , in seinem Blick.
Die Anziehungskraft, die er auf mich ausübt , ist nicht vom Auge bestimmt.
Wie das Meer kann er mich bezaubern oder beängstigen, schön sein und dann wieder unscheinbar oder abstoßend.
Warm und sanft , dann wieder von beißender Kälte und Schroffheit.
Wie das Meer kann er sich nicht verstellen,
er erscheint mir ehrlich bis zur Beleidigung, grausam ohne Heimtücke.
Verletzend ohne Absicht, direkt ohne die Folgen abzuschätzen.
Gleichzeitig verantwortungsbewusst und fürsorglich gegenüber allen ,
die in Verbindung zu ihm stehen, von ihm abhängig sind und ihn unterstützen, wie die symbiotische Wechselbeziehung des Meeres zu seinen Bewohnern.
Es erhält sie und nährt sie ,denn ihr Bestehen ist auch seines.
Sein Erscheinungsbild unterliegt übers Jahr einer Art
" Ebbe und Flut "- Dynamik. Körperfülle und Haarlänge wachsen und schwinden und kehren immer wieder zu einer vertrauten Optik zurück.
Der des Seemanns.
Lässig gekleidet, kräftige Statur, bärtig, windzerzaustes Haar,
schwankender Gang , als müsse er ständig Balance halten.
Er scheint auch so trinkfreudig -und fest wie das Klischee vom Seemann.
Er ist keiner.
Er hat die Fähigkeit unerkannt in die Hülle eines Charakter zu fließen,
ihn auszufüllen, sich lückenlos anzupassen,
die eigene Persönlichkeit unsichtbar wie Wasser in einem Glas.
Er ist Darsteller und Musiker, das letztere nimmt nur einen kleinen Teil ein.
Die Rolle auf die er sich momentan vorbereitet, ist die eines Seemannes,
wie passend , eines Offiziers der britischen Marine um 1800.
Seine Zugehörigkeit zu den astrologischen Feuerzeichen untergräbt meine Theorie vom Meer- Prinzip, das er verkörpert , sein Charakter und Verhalten sprechen dafür. Das eine betont das andere durch den Kontrast, der typisch für ihn scheint, sich in seinem Wesen spiegelt. Wasser und Feuer wechseln sich ab in ihrer Vorherrschaft, wobei das Feuer die Oberhand behält.
Das Wasser verleiht ihm eine Empfindsamkeit, die manchmal geradezu kindlich erscheint. Die emotionale Tiefe und Intelligenz eines eher derb und unduldsam wirkenden ,insgeheim eher ungewöhnlich einfühlsamen Mannes im Widerstreit mit seinen Feuerkomponenten ,die zuerst ins Auge fallen.
" Tag und Nacht brennt in ihm ein Feuer"
sagte ein Kollege vor einigen Jahren über ihn.
" Manche verstehen diese Art Flamme nicht und das mag ihn verletzen."
In seinen Augen ist dieses Feuer hin und wieder sichtbar für mich, inmitten aller Blau -Türkisschattierungen und den goldenen Flecken, wie das extrem heiße, hellblaue Lodern in der Mitte einer Gasflamme.
Er trägt gern blau, es kleidet ihn gut, auch grün. Oder schwarz.
Meerfarben- blau und grün, in Schwärze übergehend je tiefer man eintaucht.
Man sagt ihm nach er sei launisch; ruhig und friedlich, zuvorkommend höflich, reizend und im nächsten Moment aufbrausend, überheblich, bedrohlich.
Doch kaum aus Bosheit oder Berechnung, immer um Grundlegendes ,nicht um Allüren oder Extravaganzen . Das Meer ist nicht stürmisch aus Heimtücke,
es hat seinen Grund. Etwas bewegt es, veranlasst es, sich zu verändern.
Natürliche Einflüsse, Eingriffe von außen ; es weicht aus , versucht sein ursprüngliches Streben zu vollenden, den Kreislauf zu schließen und wenn man es daran hindert , hat das Folgen. Ihn von seinem Weg abbringen zu wollen bedarf sicher guter Argumente oder endet im Sturm, wenn er nicht überzeugt werden kann . In ihm ist sowenig Eitelkeit was sein Äußeres angeht, dass er sich mühelos seinen Rollen anzupassen vermag ungeachtet der Ästhetik.
Sein persönlicher Stil ist klar, gradlinig, klassisch , ungezwungen mit saloppen, fast achtlos anmutenden Tendenzen, zuweilen ziemlich daneben.
Das Meer ist nicht eitel , es folgt seiner Natur, die pragmatisch ist,
konsequent, sachlich. Und doch hat sie zu allen Zeiten inspiriert.
Zu großer Romantik ,brennender Passion, inquisitiver Wissenschaft, ungestümem Forscherdrang.
Wäre ich eine Schreiberin von Schund und Kitschromanen würde ich ihn zum 'New Age Poseidon ' erheben, Cyber Age- Gott der Meere , nichts wäre treffender in meinen Augen. Sentimentales Drama, sämiger Schwulst .
Kraftvoll in Körper und Geist, bärtig, zwischen Gewalt und Emotion.
Gefühlsduselig bis zum Kitsch, konsequent bis zur Brutalität-
auch gegen sich selbst. Blut & Boden.
Und doch hat er auch den Intellektuellen in sich.
EIN Mann , der alles in sich vereint , was die Spezies anziehend macht?
Geist, Körper, Intellekt?
Kein Mann kann dies erfüllen.
Gibt es Götter?
Selbst Zeus hatte mehr Makel als mancher Sterbliche.........
Seine Berührung muss rau sein, feines Schmirgelpapier , als wäre die Innenseite seiner Hände mit Sand bedeckt. Sand wie der, über den ich am Golf von Mexiko gelaufen bin, wie flüssiger Samt im ersten Moment.
Ich erinnere mich genau an den Abend am Strand von Galveston .
Der Kontakt mit diesem Sand war durch ihn inspiriert.
Ohne ihn hätte ich diesen Sand bis heute nie betreten.
Nach den ersten Schritten nimmst du die unsichtbare Körnigkeit wahr,
sie fügt der Sanftheit eine Schärfe zu, die deine Sinne weckt ......
Ein Schatten , eine tiefe Stimme, weit entfernt.
Er nimmt Gestalt an während er sich nähert. Langsam werden die Umrisse schärfer- kräftig, mittelgroß, er winkt, kurz darauf steht er vor dir.
Ein bärtiges, ausdrucksvolles Männergesicht mit tiefliegenden Augen , Augen wie eine Lagune- im Licht des fast vollendeten Vollmonds- und irritierend rosig- zarten, geschwungenen Lippen sieht dich an. Mädchenlippen.
Seine Kleidung ist unauffällig, gewöhnlich, ein loses, dunkles Hemd, lockere Jeans ,er ist barfuss .Das hellbraune, wellige Haar hängt ihm bis auf die Schultern, umrahmt seine Züge auf eine schlichte Art, die nicht passender sein könnte .Er scheint dem Meer entstiegen , seine Haut ist bleich, bis auf das Gesicht. Du siehst es an seinen behaarten, kräftigen Unterarmen, dem hellen Dreieck , welches das Hemd nicht bedeckt.
Eine goldene Kette mit einem Kreuz um seinen kurzen, starken Hals.
Du bleibst einfach stehen, er kommt auf dich zu wie eine Welle,
ruhig , unvermeidlich. Er riecht nach Salz und Tabak, du nimmst es wahr ,
als er vor dir steht, dir in die Augen blickt. Sein kehliger Bariton schwingt in deinem Trommelfell, aber du verstehst nicht , was er sagt. Als du ihn fragend ansiehst, lacht er leise ;ein überraschendes , unerwartet hohes Kichern.
Er legt eine Hand sacht an deine Schulter, spricht mit dir.
Seine Hände sind kräftig, Männerhände ,ein wenig derb, mit kurzen , runden Nägeln, fleischig ,dicke Finger . Er ist größer als du, neigt das Gesicht beim Sprechen zu dir, leicht schräg, aufmerksam. Du beginnst ihn zu verstehen, nickst. Er redet schnell, sein Akzent fordert dein Gehör.
Die Hand ist warm.
Er fragt dich, ob du das Meer bei Nacht auch so inspirierend findest,
so geheimnisvoll . Du nickst wieder, folgst nach einer kurzen Unterhaltung-
woher, wohin- seiner Aufforderung ein wenig zu gehen, ihm Gesellschaft zu leisten. Ihr geht schweigend, lange, das sachte Rauschen betäubt die Sinne, , versetzt dich in eine angenehme Entspannung, du taumelst.
Er stützt dich. Seine Stimme klingt besorgt, du beruhigst ihn.
" Alpha-Wellen. Man sollte sie nie unterschätzen . Hypnotisch. "
Er lacht, dann spricht er, wieder ernst.
" Das Meer ist mehr als ein Element, eine Naturgewalt. Es ist eine Art ,
die Dinge zu betrachten. Eine Basis zu agieren und zu reagieren.
Das Meer ist die Summe aller Emotionen, von Wut bis Schmerz,
von Angst bis Glück. Eine Philosophie . Ich liebe das Meer. "
Er saugt die jodschwere Luft tief ein, das Ausatmen ist ein langer Seufzer.
Du erzählst ihm, dass du ein Wasserzeichen bist, das Wasser liebst.
Und den Mond, der dich beeinflusst . Als Frau. Und astrologisch.
Der Mond beherrscht die Wasserzeichen.
Er ist fast voll in dieser Nacht.
"Glaubst du an Astrologie, bist du abergläubisch?" fragt er dich mit seinem dicken ,fast ordinären Akzent. "Astrologie, zu 75%. Abergläubisch? Kaum."
Er kichert wieder wie ein kleiner Junge.
" Ich bin abergläubisch, es ist eine Schwäche von mir."
"Warum?" fragst du . Er wirkt verlegen ." Ich glaube an Karma, Schicksal. Vielleicht kann man es so beeinflussen.." Jetzt kicherst du.
Er schaut dich fragend an. " Das ist ein Widerspruch" erklärst du.
" Karma oder Einfluss, entscheide dich. Du bist einer , der alles will. Spiritualismus mit doppeltem Boden. Pharisäer ."
Seine Ozeanaugen blitzen dich grimmig an, dann lacht er kurz und scharf.
" Eine ehrliche , scharfsinnige Frau ist besser als jeder Psychiater."
Es klingt verletzt.
Du siehst ihn prüfend an. Er verdreht die Augen, lächelt entschuldigend, seufzt.
"Du hast recht, ich bin ein Pharisäer. Ich will den Dingen ihren Gang lassen
--- und sie dabei kontrollieren. "
Er geht in die Hocke , setzt sich in den noch warmen Sand, schaut zu dir hoch. "Komm , setz dich. Erzähl von dir. "Seine Linke macht eine einladende Bewegung. Du folgst ihr. Eine kühle Brise lässt dich frösteln.
„Erzähl von dir.“ fordert er wieder.
Du schüttelst den Kopf, während du ihm in die Augen siehst.
Er fixiert dich, dann nickt er fast unmerklich.
" Ist dir kalt?" fragt er leise. " Ein wenig." erwiderst du wahrheitsgemäß.
Er legt den Arm um dich, zieht dich an sich. Seine Wärme ist verführerisch.
"Ja, so ist es besser." murmelt er, als du dich in seine Umarmung fügst.
Er zieht dich ein wenig nach vorne, du sitzt zwischen seinen Armen und
angewinkelten Beinen. " Lehn dich an mich, wenn du magst." Du tust es, bringst deine innere Stimme zum Schweigen bevor sie Bedenken äußern kann.
Er ist so warm, stützt sein bärtiges Kinn auf deine Schulter, schließt die Arme vor deinen, seine Hände ruhen auf deinen Unterarmen, die Wärme umhüllt dich,
lullt dich ein. Du wirst schläfrig ,schließt die Augen.
„Besser?“ Du nickst. Lässt dich in diesen halbbewussten Zustand gleiten,
der vor dem Schlaf kommt, dieses süße Gefühl der Ruhe und Sicherheit.
Er erzählt , sein gedämpfter Bariton ist wie der Sand, verborgene Rauheit im Nachklang.
Irgendwann fühlst du die Mädchenlippen an deinem Hals, das kitzelnde Bürsten des weichen Bartes. Es scheint so unvermeidlich wie die Wellen, die sich vor euch am Strand brechen. Als sich eure Hände berühren, spreizt er die Finger ,lässt deine sich zwischen seine schieben.
Er ist so berauschend warm, seine Finger, sein Mund, seine Haut.
Du wendest dein Gesicht zu ihm, er begegnet dir auf halbem Wege.
Seine Lippen schmecken salzig , seine Zunge leicht nach Tabak,
sie ist sanft und warm, wie seine Hände.
Dieser Kuss ist so unschuldig, es ist der erste.
Der zweite plündert deinen Mund wie eine Piratengaleere ein Frachtschiff, kapert und versenkt dich.
Er zieht dich enger an sich, du schmeckst seinen Hunger in seinen Küssen,
an der Spannung seines Körpers hinter dir, in der Hitze , die er ausstrahlt.
Sein Verlangen strömt über dich hinweg ,ruhig empfängst du seine Berührungen, saugst seine Wärme auf.
Du mästest dich an ihm, während sein Hunger spürbar wächst, lachst leise .
"Warum lachst du" will er wissen, seine Stimme klingt verhalten und erstaunt.
Männer. Nichts wissen sie. Nichts.
" Weil ich glücklich bin. Weil du mich willst, oder etwas , dass ich in dir geweckt habe. Weil du das Meer liebst, wie ich." antwortest du.
Er schweigt, du fühlst seinen Atem .Seinen Blick.
"Was habe ich in DIR geweckt?" fragt er nach einigen Sekunden.
Du drehst dein Gesicht, so dass du seine Ozeanaugen sehen kannst.
Sie sind ernst, dunkel. Deine Rechte berührt seine Wange,
der Daumen gleitet genießerisch über die dekadenten Cupidolippen,
die so fehl am Platze scheinen in diesen Männerzügen , deine Finger umschmeicheln das bärtige Kinn, gleiten über seine haarige Kehle, schlüpfen unter das Hemd, auf die starke Schulter, erkunden das Schlüsselbein.
Streicheln tiefer bis zum zarten Gespinst, das zwischen den Brustmuskeln sprießt, streifen die Warzen, unschuldig , rosig, kindlich auf der blassen Haut.
Du hebst deine Augen wieder zu seinen. Die Iris glitzert im Mondlicht.
" Das sollte ich dich fragen." murmelst du. Er versteht sofort. Poseidon ist klug.
Statt zu antworten, kichert er zunächst. Dann grollt sein Bariton in dein Ohr.
" Spürst du es nicht?" Du schaust ihn mit gespieltem Erstaunen an.
" Nicht das Symptom. Die Ursache, Philosoph ." tadelst du.
Er schmunzelt.
" Weil ich das Meer liebe. Weil du mich willst, oder etwas , das ich in dir geweckt habe. Weil die Situation so bezaubernd ist." Poseidon ist klug.
Bezaubernd . Es ist so einfach. Zu einfach.
Spieler. Mal sehen , wie gut du spielst.
"Vielleicht bin ich Amphitrite * , gekommen, deine Treue zu prüfen,
mein Gemahl." (* Meernymphe, Gattin des Poseidon in der griechischen Mythologie)
Es dauert einige Sekunden in denen seine Pupillen flackern,
dann weiß er, wovon du redest. Seine Züge, finster, nachdenklich, hellen auf ,
ein schelmisches Grinsen bricht hervor. Spieler.
Deine Hand ruht noch immer auf seiner Brust, sanft. Seine Züge werden wieder ernst, er dreht dich zurück, zieht dich eng an sich, ein warmer, starker Wall hinter dir.
" Ich wusste, ich kenne dich, Weib" grollt er heiser , legt besitzergreifend seine Hände auf deinen Busen. Drückt sacht, seufzt, knabbert an deiner Schulter.
Verstohlen schlüpfen seine Finger in deinen Ausschnitt, unter deine Brüste , drücken sie nach oben, er neigt den Kopf über deine Schulter und beginnt an ihnen zu saugen, zu lecken. Flüssiges Feuer auf seiner Zunge ,es tropft über deinen Bauch ,kriecht in deinen Schoß. Sein Gesicht in deinem Haar,
murmelt er Unverständliches, die Kuppen seiner dicken Finger kreisen träge auf deinen erwachten Aureolen. Du willst ihn umarmen , versuchst dich in der Umarmung zu drehen, er lässt dich los. Du wendest dich zu ihm.
Als du ihm gegenüber kniest, streckt er seine angezogenen Beine ,
zieht dich an sich.
" Ich hätte es wissen müssen. Du hast Meeraugen." flüstert er .
Wirklich, sie sind seinen ähnlich, etwas dunkler in der Farbe.
Die Küsse schwellen und schwinden wie die Wellen im Sand.
Irgendwann streifst du ihm das Hemd von der Schulter , weidest dich
an seiner Wärme, seinem Geruch nach Meer und Leben und Mann.
Er breitet den Stoff neben euch aus.
Du lässt dich fallen ,ziehst die lebendige Wärme unter deinen Händen mit dir.
Sein Fleisch , Reinkarnation der sich ständig wandelnden Natur des Meeres,
drückt dich nieder wie ein Brecher ,seine Stimme rauscht in deinem Ohr wie die Brandung. Die Berührung seiner Hände gleicht flinken, kleinen Fischen,
die endgültige Umarmung fesselt dich wie ein achtarmiger Octopus.
Ein zärtlicher, unbarmherziger Octopus.
Er verschlingt dich , während Visionen von Wandmalereien in kretischen Königspalästen dich heimsuchen –
Malereien von Delphinen, Meeresflora und Octopoden --Tausende von Jahren alt , schwebend , träumend , bezaubernd, eingebettet in blendendem,
betäubendem Türkis. Als du die Augen öffnest ,sind sie in seiner Iris.
Sein feuchtes Haar streichelt deine Haut wie Tang, weich und seidig .
Er umgibt und füllt dich mit seiner Wärme, gleitet mit dir in den
uralten Tanz, der dem der Wellen gleicht.
Der Rhythmus eurer Körper geht in den der See über,
anschwellend und absteigend wie euer Atmen,
bis sich das gierig wachsende Tosen in Aufbäumen bricht.
Zärtlich, sein grimmigster Hunger gesättigt, umschmeichelt er mit seinen weichen, bärtigen Wangen deinen Hals, die Brüste ,die Schultern. Er ruht über dir, du bist begraben unter seiner Wärme, wohlig geborgen dösend bis das Verlangen wieder erwacht . Dein Verlangen.
Ihn zu berühren, zu riechen, zu schmecken. Als ahne er deine Gedanken ,
rollt er sich mit dir herum, gibt dieses erstaunliche Kichern von sich,
als er einen Laut von dir hört.
" Ist dir nicht kalt?" fragst du ihn, stützt dich über seinen nackten Oberkörper .
Er verneint mit halbgeschlossenen Lidern, die Hände warm auf deinen einladenden Brüsten schüttelt er kurz den Kopf.
Dann richtet er sich ein wenig auf , um an dein Ohr zu gelangen.
"Sei nicht profan, Liebste. Sei ein würdiges Weib, Amphitrite, und beweise wie sehr du deinen Gemahl vermisst hast." säuselt er dramatisch, zieht neckisch mit den Zähnen an deinem Ohrläppchen, seine Opalaugen funkeln herausfordernd und neugierig. Die Wärme deiner Lippen auf seinem Gesicht lässt ihn gurren wie einen zufriedenen Täuberich. Sie streichen über den Engelsmund ,du fängst die aromatische Zunge sacht mit den Zähnen bevor du den Teppich auf seinen Wangen und der Kehle erkundest. Ein verspieltes Knurren , er kichert schon wieder ungöttlich ; du streifst den Adamsapfel, gleitest in die Mulde über dem Brustbein, drückst die Nase hinein, riechst , schmeckst ihn .
Für einen Mann mit so vollem Haar und Bart ist seine Brust ungewöhnlich glatt. Verspielt zupfst du an den vereinzelten Locken, berührst die nun spitzen, kleinen Warzen mit der Zunge, sie recken sich erwachend unter
deinen Lippen und sachten Zähnen . Er seufzt anerkennend.
Um seinen Nabel zieht sich ein Ring aus dunklem, weichem Haar.
Du gibst der Versuchung nach deine Nase darin zu vergraben, ihn mit der Zunge kitzeln .Dein Kinn ruht auf seinem weichen, gut gepolsterten Bauch,
der von Genuss und Respektlosigkeit gegenüber der Mode zeugt, wie seine Kleidung. Du stupst mit der Nasenspitze hinein - er spannt zur Entschuldigung die festen Muskeln darunter, du lachst leise ob dieser kleinen Eitelkeit.
Das seidige Gleiten und die feuchte Wärme mit der du ihn im nächsten Moment umhüllst, lässt ihn sein bisschen Hedonismus vergessen, entlockt ihm kehlige Laute des Vergnügens. Er murmelt vor sich hin.
Es klingt wie Beschwörungen, Zaubersprüche. Spieler-Zauberer-Blender....
Beschwört er die Wellen, die lauter zu rauschen scheinen ?
Sie wachsen, jeden Moment können sie euch von eurem samtenen Lager forttragen , den vermeintlichen „ Gott“ und die Nymphe. Dorthin wo alles schweigt und schwebt und das letzte was du sehen wirst ,sind die kalten Opale seiner Augen , in denen du langsam ertrinkst. Aber er bezähmt sich,
das Murmeln versiegt, er ergibt sich diesmal der Macht der Sterblichen,
dem exotischen Kitzel genommen zu werden anstatt zu nehmen.
In dem Kuss , mit dem er deinem kleinen Sieg den Pokal überreicht, schmeckt er das Aroma des Meeres. Würzig, süß-scharf, die Essenz seiner selbst.
" Amphitrite" flüstert er später an deinem Mund . "Sag meinen Namen, Weib."
Seine Stimme klingt ängstlich fordernd, verzweifelt. Du siehst ihn fragend an.
" Ich habe ihn vergessen, kann mich nicht erinnern, " gesteht er,
" ich war lange fort. "Sein Blick fleht .
Die Opale sind nicht länger kalt, sie glühen und funkeln unruhig .
" Poseidon." antwortest du laut und klar , streichst ihm die feuchten Strähnen aus dem Gesicht.
" Dein Name ist Poseidon."
Er schließt die Augen. „Götter.“
„ Nur ein andres Wort für Menschen.“
Er lächelt .
Für R.I.C. , der mich „gelehrt“ hat,
daß „Götter“ auch nur Menschen sind